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IT-Kongress „Entwicklertag“ in Karlsruhe

Karlsruhe (19.06.2009)

Wenn sich am 24. Juni rund 200 Informatiker im Technologiepark Karlsruhe (TPK) zum „Agile Day“ treffen, hat das weniger damit zu, dass sie ihre Wendigkeit trainieren möchten. Vielmehr geht es um den Austausch von neuen Methoden und Erfahrungen in der Agilen Softwareentwicklung. Diese Methode wird eingesetzt, um neue Computerprogramme zeit- und kosteneffizienter zu entwickeln.

Als Internet-Hauptstadt Deutschlands und IT-Standort der Spitzenklasse darf sich Karlsruhe einmal mehr über eine hochkarätig besetzte Fachveranstaltung freuen. Und nicht nur Karlsruhe freut sich – Joe Krebs, Direktor bei AOL in New York, freut sich vor allem, „auch mal den Technologiepark Karlsruhe zu sehen. Ich habe schon viel davon gehört.“

Beim „Agile Day“, der im Rahmen der IT-Fachkonferenz „Karlsruher Entwicklertag“ stattfindet, werden Firmen wie die SAP AG, BASF und IBM über ihre Erfahrungen mit der Agilen Softwareentwicklung berichten. Besonderes Augenmerk wird auf den Erfahrungsberichten zu Scrum liegen, einer Prozessmanagement-Methode, die durch stärkere Teamorientierung, gegenseitiger Kontrolle und Know-how-Transfer zu besseren Ergebnissen führen soll.

Scrum kommt ursprünglich aus den USA und bedeutet soviel wie „Gerangel“. Wieso ein Gerangel gut sein soll für die Entwicklung eines so komplexen Produktes wie einer Software, bedarf einer Erklärung: Bekanntermaßen werden Autos am Fließband gefertigt. Jeder Arbeiter ist für einen ganz speziellen Arbeitsschritt zuständig und kümmert sich weder um andere Arbeitsschritte noch um das Endprodukt. So funktioniert auch klassische Softwareentwicklung. Wie bei der Fließbandproduktion kann hier aber nicht auf geänderte Vorgaben des Kunden reagiert werden und Programmierfehler bleiben häufig bis zuletzt unentdeckt, da keine Kontrolle der Arbeit während des Programmiervorganges erfolgt.

Scrum ist eher mit der Werkstattorientierten Fertigung vergleichbar. Das künftige Produkt steht in der Mitte der Werkstatt, und das Scrum-Team arbeitet gemeinsam daran. Dadurch ergibt sich eine geringere Fehlerquote, da sich das Team gegenseitig kontrolliert, und eine höhere Motivation, da sich die Mitarbeiter stärker mit dem Produkt identifizieren. Auf Änderungen der Kundenvorgaben kann das ganze Team schnell kollektiv reagieren. Ein wichtiger Punkt ist auch die Minimierung des Ausfallrisikos durch die Verteilung der Entwicklungsarbeit auf mehrere Köpfe. Wenn ein Team-Mitglied durch Urlaub oder Krankheit ausfällt, können die anderen sein Fehlen spontan ausgleichen.

Scrum gibt es noch nicht lange auf dem deutschen Markt. Im Technologiepark Karlsruhe wurden 2004 die ersten deutschsprachigen Zertifizierungskurse angeboten. Große Weltunternehmen wie SAP wurden darauf aufmerksam und holten dieses Know-how in ihre Häuser. Auch die EnBW und die 1&1 Internet AG lernten Scrum im TPK kennen und wenden es heute an.

Übrigens, Scrum lässt sich nicht nur in der Softwareentwicklung anwenden. Arbeitsprozesse in vielen Branchen könnten so effizienter und spannender gestaltet werden. Wo der einzelne Mitarbeiter immer nur in und denselben Handgriff ausführt, wird die Arbeit stupid und unbefriedigend. Anteil an der gesamten Produktion zu haben, ist weit motivierender. Außerdem ermöglicht Scrum, das Produkt schon während des Entstehungsprozesses immer wieder auf Funktionalität zu testen. So können teure Qualitätskontrollen und Nacharbeiten minimiert werden.

Zum Abschluss des „Agile Days“ ist es den Organisatoren gelungen, eine Podiumsdiskussion mit Experten aus Deutschland, der Schweiz, Ägypten und den USA auf die Beine zustellen. Unter der Überschrift „Clash of Cultures – Agilität und hergebrachte Arbeitsmodelle“ werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kulturen im Umgang mit den veränderten Anforderungen in der Arbeitswelt diskutiert. Zum Abschluss des Tages lädt der Gastgeber Technologiepark Karlsruhe zu einem Empfang. Die Teilnahme an der Podiumsdiskussion, die gegen 16:15 Uhr beginnt, ist übrigens kostenlos.

Über den Karlsruher Entwicklertag:
Der mehrtägige, jährlich stattfindende IT-Fachkongress wird veranstaltet vom ObjektForum, der Regionalgruppe Karlsruhe der Gesellschaft für Informatik e.V. und des Vereins Karlsruher Softwareingenieure e.V. Gastgeber ist der Technologiepark Karlsruhe, die Organisation übernimmt die andrena objects ag. Anlässlich des 10. Geburtstages des ObjektForums wurde 2005 der Karlsruher Entwicklertag ins Leben gerufen. Das ObjektForum, 1995 von Matthias Grund (andrena objects) und Thomas Lüdtke (Technologiepark Karlsruhe) aus der Taufe gehoben, ist mit jährlich über 1000 Besuchern zu einem wichtigen Ort des Austausches von Informationen, Erfahrungen und Visitenkarten geworden.

 

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